Der Beginn der Oster-Uniferien eignete sich hervorragend, um endlich wieder einmal dem Seewinkel einen Besuch abzustatten. Ein am Samstag entdeckter Seggenrohrsänger Acrocephalus paludicola (P. Hasan u.a.) nahe des Nationalparkzentrums war ein guter Impuls, um 3 Uhr morgens aufzubrechen und den Vogel im ersten Licht zu suchen.
Ich fand ihn kurz nach 7 Uhr, stets von bis zu drei Schilfrohrsängern gejagt, die ihren Anspruch auf den kleinen, vernässten Seggen-Jungschilf-Bereich ebenfalls geltend machen wollten. Nur selten hörte man den Vogel kurz und verhalten singen. Bei einem späteren Besuch am Nachmittag hatten die konkurrierenden Schilfrohrsänger das Feld geräumt und der Seggenrohrsänger setzte sich immer wieder höher ins Schilf und sang andauernder.
Das Zuggeschehen kommt bei vielen Arten erst in Schwung und so konnten wir sonst nicht viel außergewöhnliches finden. Zwei Raubseeschwalben abends an der Langen Lacke und ein einsamer Bergfink im Seebad rundeten den wortwörtlichen Ganztagesausflug (22 Stunden waren wir unterwegs) ab.
Bis in die 1940er Jahre trat der Seggenrohrsänger noch als regelmäßiger Brutvogel in der Verlandungszone des Neusiedler Sees auf (Glutz & Bauer 1991), seit 1980 wurden aber nur noch 12 Nachweise von der Avifaunistischen Kommission anerkannt (siehe birdlife-afk.at > Berichte; Ranner & Khil, unpubl.). Mehr über diese, auf der Roten Liste als „gefährdet“ eingestufte Art hier und hier.